Bayern bricht die Fiorentiner Mauer

Zunächst einmal vorweg: lange Jahre war ich dem Treiben beim FC Bayern abgeneigt, doch was die Mannschaft derzeit auf dem Fußballplatz abliefert, ist meiner Meinung nach einfach weltklasse. Das erinnert mich an die besten Zeiten unter Hitzfeld, als die Roten von der Säbener Straße eine Macht in Europa waren, und man kann sagen: Hurra, hurra, die Bayern sind endlich, endlich wieder da!

So genug der Lobhudelei. Jedenfalls weht spätestens seit dem Sieg in Turin ein neuer Wind: das seit Monaten geschundene Selbstvertrauen ist wieder da. Man kann nur von Glück reden, dass van Gaal nicht vorzeitig die Koffer packen musste, bloß weil es am Anfang der Saison nicht so rund lief. Dass man auch guten Trainern nicht einmal mehr zugesteht, eine Spielzeit lang die Mannschaft so zu formen, um erfolgreich zu sein, hatte mich schon des Öfteren auch bei anderen Vereinen ernüchtert.

Dass der einst als Messias gefeierte Klinsmann ein Fehlgriff sondergleichen war, will ich gar nicht mehr thematisieren: aber was beim FCB die letzten Jahre fußballpolitisch geschehen ist, war für mich mehr als fragwürdig. Doch dafür freut es mich umso mehr, dass die Bayern wieder wie ein Rekordmeister auftreten. Wer jetzt sagt, ich wäre ein Opportunist, dem sei gesagt: ich bin jahrelang in der Südkurve gestanden und hab auch zu meinem Verein gehalten, als es ein Graus war, ins Stadion zu gehen. Irgendwo schlägt das Herz als gebürtigem Münchner dann doch rot-weiß für die Bullen.

Das Spiel am Samstag gegen den BVB hat mich schon durchweg überrascht: das 0-1 wurde einfach so weggesteckt, und die Dortmunder sind meiner Meinung nach wie die Schulbuben deklassiert worden. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, da ist das Stadion halb abgefackelt (sowohl auf den Zuschauerrängen als auch auf dem Fußballplatz); Spreeblick hat dazu einen schönen Rückblick geliefert, als auch bei Mauertaktik kann man mittelbar nostalgische Ansätze in Bezug auf die alten Hassduelle erkennen.

Sicher sind die Borussen nicht so stark wie einst, doch ich kann mich selten erinnern, dass die Bayern in den letzten Jahren so souverän Rückstände in einen Sieg umgewandelt haben. Doch nun zum Spiel heute gegen den AC Florenz: die Veranstaltung war im Prinzip Einbahnstraßenfußball, und ich bin froh, dass dieser Catenaccio feinster Ausprägung nicht von Erfolg gekrönt war. Die rote Karte war ein schlechter Witz, das Tor eindeutig Abseits. Doch es war einfach ein verdientes Abseitstor, und das 2:1 lag die letzten 20 Minuten in der Luft. Bayern, so kann es weiter gehen!

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