Chancenlos gegen blau-weiße Presswürste

Ein Klassiker unter den Länderspielen: Deutschland gegen Argentinien. Die Weißen gegen die Blau-Weißen. Vor der Begegnung durfte der Zuschauer gespannt sein auf ein actionreiches Treiben in der Allianz-Arena, der Hochburg der Bajuwaren, die heute ganz in Weiß erstrahlte. Aber anstelle eines hochexplosiven, dramatischen Actionthrillers bekam das erfolgsverwöhnte Münchner Publikum dann doch nur eine von Taktik geprägte und phasenweise sehr langweilige Schachpartie zu Gesicht. Ob das auch daran lag, dass die Weißen heute nicht Weiß, sondern Schwarz trugen, soll nicht das Thema dieses exklusiven Spielberichtes sein.

Die Argentinier kamen mit klassisch blau-weißen Trikots daher. Doch leider hatten die Gauchos nur Oberkleider bis zur Größe S im Sortiment. So musste sich unter anderem der kräftig gebaute Rechtsaußen Gutierrez in ein viel zu kleines Korsett zwängen: er sah aus, wie eine blau-weiße Presswurst. Doch nicht nur das hatte am heutigen Abend etwas mit „Pressen“ zu tun, sondern auch die aggressive Spielweise der Argentinier.

Schon früh pressten nämlich die Blau-Weißen auf den ballführenden Schwarzen und machten ihm so das Leben schwer.

Aufs Grün entließ Jogi seine Jungs in einem ungewöhnlichen 4-2-3-1-System. Der geschmeidige Serdar durfte mit dem schlacksigen Per innenverteidigen. Auf links spielte der kleine Philipp, auf rechts der coole Jerome, der seine Sonnenbrille wohl in der Kabine vergessen hatte. Vor der Viererkette räumte Michael Ballack ab, seine rechte Hand im defensiven Mittelfeld war Bastian Schweinsteiger. Jogi gab dem lieben Basti die Chance, mit erotischen Ballbehandlungmethoden in der Rolle der 6 zu gefallen. Der Bundestrainer berücksichtigte wohl bei seiner Entscheidung, dass  Schweinis attraktive Freundin Sarah sich momentan in der Rolle des Sex-Objektes gefällt. Prinz Peng, Mesut und der Debütant Thomas Müller stellten das offensive Dreiermittelfeld, davor fungierte Miroslav Klose als alleinige Speerspitze.

Das Spielgeschehen dominierte allerdings das 4-4-2-System der Argentinier. Im Sturm spielten Higuain und Messi die deutschen Verteidiger schwindlig, die Presswurst Gutierrez, Kapitän Mascherano, Spielgestalter Veron und di(e) Maria besetzten das bärenstarke Mittelfeld. Verteidigen durften in Diego Maradonas Abwehrmauer der 90-Jährige Fußballgreis Heinze, der knüppelharte Abräumer von Inter Mailand Samuel, der bei den Bajuwaren wohlbekannte Demichelis und der völlig unbekannte Otamendi.

Über die gesamte Spielzeit ließen die Blau-Weißen keine einzige richtige Torchance zu, was den einen oder anderen Fan zu einem Pfeifkonzert animierte. Die in ihre engen Trikots gepressten Gauchos traten auf wie pflichtbewusste Feuerwehrmänner, die nichts anbrennen lassen wollten. Einmal nutzte der kleine Philipp eine Unachtsamkeit der Abwehr aus, um in „Costa-Rica-Manier“ den ersten Schuss aufs gegnerische Tor abzufeuern. Er kam von links, zog in die Mitte und mit rechts ab. Der Schlenzer verfehlte den argentinischen Kasten um einige Zentimeter.

Während die Deutschen im gesamten Spiel streng genommen keinen gefährlichen Schuss aufs Tor zustande brachten, tauchten die Argentinier mehrfach in aussichtsreicher Position vor dem Kasten der neuen Nummer 1 der DFB-Elf Rene Adler auf. In der 38. führte di(e) Maria einen sehenswerten Tanz im deutschen Sechzehner auf. Weil sich aber Serdar und Jerome vertanzten, wurde der Reigen zu einem Solo-Tanz mit einem runden Ball. Di(e) Maria zog ab, der Adler bekam gerade noch seinen rechten Flügel hoch und lenkte das Rund an die Latte. Eine Glanzparade!

In der 45. glänzte Rene Adler aber keineswegs. Einen krassen Stellungsfehler von Per, der bis dahin jeden Ball aus der Gefahrenzone gemertesackert hatte, nutzten die Argentinier aus, um Higuain auf die Reise zu schicken. Adler, der König der Lüfte, verließ seinen Horst und wollte gefühlte 100 Meter vor seinem Tor klären, nur leider kam er eine Zehntelsekunde zu spät. Higuain legte den Ball an dem DFB-Keeper vorbei und hatte keine Mühe, die Pille ins leere Tor zu schieben. O:1 aus Sicht der Deutschen. Das Ergebnis sollte sich im zweiten Durchgang nicht mehr ändern.

Zwar versuchte Jogi in der zweiten Hälfte, mit Mario Gomez, Cacau, Toni Kroos und Sami Khedira neuen Wind in das lahme Spiel der Deutschen zu bringen, aber mehr als ein paar gute Ansätze brachte das nicht. Frust machte sich also breit bei den Deutschen, was sich in unschönen Fouls zeigte, die bei einem Freundschaftspiel eigentlich wenig zu suchen hatten. So ließ vor allem el Capitano Ballack eine gewisse Härte walten, die nicht mehr als gesund zu bezeichnen war. Er foulte taktisch und hielt den Fuß drauf. Es war bezeichnend, dass der einzige Legionär der deutschen Nationalmannschaft dem Argentinier Demichelis in einem Kopfballduell wohl unabsichtlich das Knie ins Gesicht rammte und ihm einen Jochbeinbruch zufügte. Voller Freude darüber war natürlich der im Stadion anwesende Bayern-Coach Louis van Gaal.

Die Schwarzen hatten also keine Chance gegen stark auftretende Blau-Weiß-Gestreifte. Diego Maradona freute sich staatsmännisch über den verdienten Erfolg seiner Zöglinge über die ideenlose DFB-Elf. Die Argentinier befinden sich auf einem guten Weg. Den Deutschen hinterlässt die verlorene Partie gegen die Gauchos mehr Fragen als Antworten!

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